Pressemitteilung

Das Erbe des Majdan

21.11.2018

Als Auslöser der Proteste gilt vor allem die Nichtunterzeichnung des EU- Assoziierungsabkommen durch den damaligen Präsidenten Viktor Janukowitsch. „Die eigentliche Ursache war jedoch die weit verbreitete Frustration über ein korruptes und autoritäres Regime“, meint Prof. Dr. Gwendolyn Sasse, Direktorin des Zentrums für Osteuropa- und internationale Studien (ZOiS). „Als die Proteste ausbrachen, war Janokowitsch in der ganzen Ukraine unbeliebt, und zwar auch im Südosten des Landes. Dieser Ausgangspunkt ist jedoch vielfach in Vergessenheit geraten.“

Unpräzise Erinnerungen

Auch bei anderen Themen sind die Erinnerungen nach fünf Jahren zum Teil unpräzise. Im Unterschied zur Orangenen Revolution, an die der Euromajdan in vielem anschloss, gab es 2013 keine wirksame Koalition von Oppositionsparteien und die Dynamik der zivilgesellschaftlichen Mobilisierung war weniger kontrollierbar. So kam es im Wechselspiel mit dem Vorgehen des Janukowitsch-Regimes auch zur Eskalation der Gewalt und zur Formation eines Akteurs wie dem sogenannten „rechten Sektor“: „Der Einfluss des ‚rechten Sektors‘, während des mehrere Monate andauernden Majdans sollte jedoch nicht überschätzt werden“, so Gwendolyn Sasse.

Breitere Unterstützung für Reformen

Vor dem Hintergrund der bald folgenden Krim-Annexion und des Krieges in der Ostukraine verblasst außerdem oft die Tatsache, dass es auch im (Süd)Osten der Ukraine pro-Majdan-Proteste gegeben hat. Sie waren zwar zahlenmäßig kleiner, weisen aber darauf hin, dass es eine breitere Unterstützung für Reformen gab.

„Seit 2014 hat die Ukraine tiefgreifende Reformen in Angriff genommen, doch bei breiten Teilen der Bevölkerung ist die Enttäuschung, die auf die unrealistisch hohen Erwartungen des Majdan folgte, groß. Diese wird die Präsidentschafts- und Parlamentswahlen 2019 prägen,“ bilanziert Sasse.

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